Ich habe weder eine Seele noch einen Willen. Ich habe keine Wuensche und auch keine Hoffnung mehr. Ich fuehle mich wie ein leerer Geist der in einer hauchduennen Huelle umherirrt. Meine Seele ist vor 108 Tagen gestorben, nur die Huelle getrieben von Hunger, Durst und vergangener Erotik treibt mich noch an. Tausende von Gedanken, was ich alles falsch gemacht habe rasen durch meinen Kopf. Immer wieder entdecke ich neue Ansatzpunkte, was ich haette anderes machen koennen. Haette ich nur dieses oder jenes, dann waere mein Freund jetzt nicht tot.
Wenn ich die Augen schliesse dann sehe ich das Bild vom Tot vor mir. Ich sehe in tote Augen, erstarrt, unbeweglich, angelaufen und es sind die Augen von meiner grossen Liebe gewesen. Fuer Ihn habe ich alles gegeben, ja sogar mich selber. Der Schock in meinen Knochen an diesem Tag spuere ich noch immer. Kein Tag der nicht furchtbarer waere als der andere.
Irgendwo ganz weit in mir spuere ich einen Selbsterhaltungstrieb. Es muss doch weiter gehen. Raeum den Buntam Mist auf und suche einen neuen Freund, sage ich mir immer wieder. Doch vernunft und Gefuehle sind weit auseinander. Ich habe probiert mit Menschen zu reden, doch es geht kaum. Sofort muss ich vom Tod erzaehlen. Meistens falle ich dann irgendwann auch um, weil ich ja nur aus dem Haus gehe, wenn der Hunger so uebermaechtig ist, dass ich koerperlich eingeschraenkt bin. Ich gehe dann mit dem Kopf gesenkt, damit ich moeglichst nichts sehe, was mich an Buntam erinnert. Spreche nur das allernotwendigste und gehe nur nachts raus, dahin wo sich am wenigsten Menschen aufhalten und versuche schnellstmoeglichst wieder zurueck zu gelangen. Gartentor zu, Tuere verschlossen, Vorhaenge zugezogen, ohne Licht, auf Zehenspitzen gehend, damit kein Nachbar meine Anwesenheit bemert und mich kontaktieren koennte, verbringe ich Stunde um Stunde, Tag fuer Tag, Monat fuer Monat die Zeit die noch bleibt.
Ich bin sehr sehr krank. Die Krankheit kam schleichend, kaum bemert. Vor 5 Jahren schon hatte ich Hautausschlaege, kratzte mich mal hier mal dort. Mit Cream behandelt, ignoriert man einen groesseren zusammenhang. Dann die schwarzen Fuesse. Ich liess sogar mal eine Kraeuter Therapeutin kommen. Sie blieben schwarz.
Heute ist die Krankheit viel weiter. Hautausschlaege die Jucken wie Mosquito stiche kommen innert 1-2 Stunden in so zahlreichen einzelstellen, dass es kaum zum aushalten ist. Jeden Tag gibt es neue Blutflecken auf meinem Laken, weil ich mich irgendwo gekratzt habe. Meine 38iger laechelt mich manchmal an. Sie schlaeft geladen mit mir im Bett.
(muede, fortsetzung folgt.)
Die Welt ist keine Realitaet, sondern ist genau so, wie sich der Mensch diese vorstellt. Ein jeder betrachtet sein Umfeld aus dem eigenen Blickwinkel. Dabei uebersieht er immer, was er davon nicht sehen will und verfolgt akribisch die eigenen interessen. Dadurch entstehen millionen von unterschiedlichen Welten, wobei manche derart weit voneinander entfernt sind, dass diese Distanz kaum von jemandem wahr geworden wird.
Noch nie hat ein Wort je eine Bedeutung erreicht, taten allerdings schon, sofern die betroffenen Personen noch leben.
Die Bedeutungslosigkeit jeglichen Wortes oder jeglicher Taten wurde mir im Angesicht meines toten Lebenspartner bewusst.
Eine Bedeutung fuer unsere eigene Existenz haben somit nur die guten Taten, die wir aneinander auch wirklich tun. Alleine der Gedanke und das Gespraech, koennen uns zwar dazu bringen eine Tat zu tun, doch tun muessen wir sie immer noch. Der Nachteil am Wort ist allerdings der, dass zuviele Worte zur kompletten Tatlosigkeit fuehren.
Donnerstag, 1. April 2010
Heute morgen um 01.30 ist mein geliebter Freund und Lebenspartner Buntam Phibandaeng im Alter von 23 Jahren nach einer laengeren Leidenszeit gestorben. Mein Schmerz um den Verlust des Lebenspartners, in den ich all meine Energie und Hoffnung gesteckt habe ist unsagbar.